Nun gibt es ein neues Ergebnis solch einer Kooperation, bei der gleich mehrere kreative Aktivposten maßgeblich beteiligt sind:
Melton stellt den Korpus der bewährten 45 SLZ – F Tuba; Bernhard Zirnbauer aus Arlesried gibt seine Ventilmaschine dazu; Schagerl aus Mank in Österreich, bekannt für seine Weltklassetrompeten, verschmilzt die Komponenten unter Anleitung von Wilfried Brandstötter, dem Tubist von Mnozil Brass, zur Kronos. Gebaut wird das Instrument bei Melton in Geretsried, der Vertrieb läuft über Schagerl.
Normalerweise wird bei einer Tuba die Entscheidung über Pumpen oder Zylindermaschine mehr oder weniger zur Glaubensfrage. An der Perinetmaschine schätzt man die Direktheit der Ansprache, das geschmeidige Legato, die Effizienz der Klangerzeugung.
Die Zylindermaschine bietet mehr Widerstand – positiv wie negativ – , ermöglicht aber eine tiefere Klangpracht, bietet in guter Ausführung etwas mehr manuellen Komfort, in der Regel mehr Zuverlässigkeit und erfordert weniger Wartung. Der Preis dafür ist eine widerspenstigere Charakteristik im Legato und ein viel höherer Aufwand bei der Luftführung. Oft klingen Perinet-Tuben in 4/4 – Größe so voluminös wie ihre Geschwister in 5/4 – Zylinderbauweise. Und doch: irgendetwas fehlt...
Hier setzt nun die Kronos an. Bei dieser neuartigen F-Tuba wurden gleich mehrere innovative Ideen optimal umgesetzt. So sind die Ventile nicht in einer geraden Reihe angeordnet, sondern seitlich versetzt, in einer Art Zickzack – Muster. Auch wenn noch keine Ventile gedrückt sind, wird der Luftstrom mehrfach umgelenkt, dadurch ist der Unterschied von wenigen zu vielen gedrückten Ventilen nicht mehr so gravierend. Auch liegen durch diese Bauart die Ventiltasten schön eng beieinander, so dass man die Finger nicht unnötig spreizen muss. Schließlich haben in der Regel Tubisten keine größeren Hände als Trompeter oder Hornisten. Die Tasten für die rechte Hand sind mit in der Weite verstellbaren Perlmuttknöpfen ausgestattet, die auf einfachste Weise für jede Hand individuell angepasst werden können. Eine derart geniale Idee, dass man sich fragt, warum nicht schon längst jemand vorher darauf gekommen ist.
Ein weiterer Vorteil der Tastenknöpfe ist, dass man ganz automatisch und wie selbstverständlich nur dort auf die Tasten drückt, wo es sinnvoll ist und man die optimale Kontrolle über die Ventilbewegung hat. Die verbreitete Unsitte, näher an der Achse auf die länglich gestalteten Ventiltasten zu tappen, wird hier wie von allein im Ansatz verhindert.
Die linke Hand ist in ihrer Position freier, muss es auch sein, wenn man wie Wilfried Brandstötter bei einem Mnozil Brass–Auftritt auf der Bühne herumwuselt. Dementsprechend sind die Tasten auf der linken Seite mit länglichen Drückerplatten versehen, die sehr komfortabel und ergonomisch optimal die Bedienung des 5. Ventils (verlängerter Ganzton) sowie der Trigger für Quart und Halbton ermöglichen.
Alle Tasten sind extrem leichtgängig, die Druckpunkte klar definiert. Die Ventile gehen überaus exakt, auch hier wurde meisterhaft gearbeitet.
Überhaupt ist die Kronos fabelhaft verarbeitet. Es sind sehr viele Details von der Konstruktion her recht kompliziert angelegt, so ist z.B. ein Großteil des vierten Ventilrohrs herausnehmbar um Servicearbeiten an der Maschine vornehmen zu können. Die Schubstangen für die Trigger können für jeden Spieler individuell in der Länge angepasst werden – neu aber ist: damit die Tasten danach wieder plan nebeneinander in der Ruhestellung liegen, sind auch die Umlenkhebel in der Länge justierbar.
Gewöhnungsbedürftig – vor allem wenn man von einer Standard-Melton kommt – ist das etwas umständlichere Entleeren des Kondenswassers, da es durch die ungewohnte Anordnung der Ventile mehr Stellen gibt als sonst, an denen sich kleine Pfützen im Instrument bilden können.
Auch ist der Schnellwechselstopper für den Triggermechanismus des 4. Ventils an der Rückseite des Instruments etwas unglücklich angebracht. Er ist zwar hier sehr gut zugänglich, aber durch die exponierte Lage sicher auch gefährdet und beim Halten des Instrumentes bisweilen etwas störend. Aber dies sind letztlich nur Kleinigkeiten, welche die herausragenden Qualitäten dieser faszinierenden Tuba nicht wirklich beeinträchtigen.
Wir kommen zum Entscheidenden: wie klingt das Wunderinstrument denn nun? Wer es selber erleben möchte, dem empfehle ich den Besuch einer Mnozil-Aufführung der Blechbläseroper „Irmingard“, mit das Beste, was ich in über 30 Jahren als Tubist und Blechbläser erlebt habe.
Ich hatte Gelegenheit, die Kronos ausführlich zu testen, bei mir zu Hause und bei Proben der Bamberger Symphoniker. Das Instrument hat einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Dies ist ohne jeden Zweifel eine der besten Tuben, die man zur Zeit für Geld kaufen kann. Das Konzept geht voll auf, die Kronos vereint ideal die Vorteile von Perinet– und Zylindermaschine:
Kraftvoll-prächtiger Klang, ultraleichte Ansprache, gleichmäßige strahlende Charakteristik durch alle Register. Ein geradezu unglaublich trennscharfes und geschmeidiges Legato, blitzsaubere Intonation.
Durch die Trigger am 2. und 4. Ventil ist trotz nur fünfventiliger Ausführung eine saubere Intonation in der gesamten Chromatik bis hinunter zum Kontra-F möglich. Auch die sonst gerne kritischen Töne Kontra-H sowie B, A, As, G und Ges sind absolut stabil und sauber.
Das Instrument funktioniert ideal mit tiefkesseligen Mundstücken und vereint einen Riesenton mit bestechender Klarheit.
Besonders hervorzuheben ist die Effektivität der Klangerzeugung - trotz ihrer Größe ist die Kronos eine Tuba die nicht übermäßig viel Luft verbraucht, und die wenn nötig mühelos enorm viel Lärm erzeugen kann... Ich kann mir durchaus vorstellen, dass sie das ideale Instrument ist, um begleitet von einem großen Sinfonischen Blasorchester ein Tubasolokonzert aufzuführen oder eben im Sinfonieorchester die klassischen Stücke von Berlioz, Wagner, Strauss, Bruckner und Tschaikowski zu geben.
Ein großes Kompliment an alle, die zu ihrer Entstehung beigetragen haben!
Heiko Triebener
:: Melton Tuba Quartett
:: Bamberger Symphoniker |